Denk an mich – Leseprobe

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Denk an mich – Leseprobeby adminon.Denk an mich – LeseprobeHier ist Kapitel 8 aus dem Roman  Denk an mich   Der Roman ist bis Ende Februar ausschließlich bei Amazon als Kindle Version zu erhalten   Kapitel 8 Alex hatte sich längst aus dem Körper des Androiden zurückgezogen und war wieder in die Rolle des NERD geschlüpft. Gerade als er die Maus in Richtung auf […]

Hier ist Kapitel 8 aus dem Roman  Denk an mich

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Der Roman ist bis Ende Februar ausschließlich bei Amazon als Kindle Version zu erhalten

 

Kapitel 8

Alex hatte sich längst aus dem Körper des Androiden zurückgezogen und war wieder in die Rolle des NERD geschlüpft. Gerade als er die Maus in Richtung auf den Vulkan bewegte, um nachzusehen, ob mit Lisa auch wirklich alles in Ordnung war, klopfte es an der Tür. “Nicht jetzt!”, rief er wütend. “Deine Mutter ist am Telefon, sie möchte mit dir reden”, sagte Elke und öffnete die Tür. “Was ist jetzt schon wieder los?”, fragte Alex ungeduldig. Elke zuckte nur mit den Achseln und gab ihm das Telefon.

 “Hi, Mom!”, sagte Alex. “Was gibt’s?” “Was es gibt, willst du wissen?”, schrie seine Mutter ins Telefon. “Ich bin hier in Florenz, denke an nichts schlimmes, und plötzlich muss ich erfahren, dass mein lieber Herr Sohn mal wieder eine Arbeit in der Schule verhauen hat!” Sie klang hysterisch. Also war wieder einer ihren “genialen” Coups fehlgeschlagen und er würde einmal mehr ihren Frust abbekommen. “Von was redest du, bitte?”, verteidigte sich Alex. “Wir haben nichts geschrieben und nichts rausgekriegt!” “Und was ist mit Englisch? Lars hat eine 6!” Alex atmete erleichtert auf. “Das war mündlich! Er hat’s voll vergeigt.” Seine Mutter schnaubte unwillig. Alex konnte es nicht fassen. Die Mutter von Lars hatte tatsächlich seine Mutter auf dem Handy angerufen und sich mal wieder über ihn beschwert.

 “Ihr habt kein bisschen gelernt, habe ich recht?”, kreischte seine Mutter. “Was habt ihr gemacht? Seid ihr wieder vor dem Laptop gesessen und habt gespielt?” Alex verdrehte die Augen und zog eine verächtliche Grimasse. Dann atmete er tief durch. “Es tut mir leid, Mom, ehrlich! Aber ich habe wirklich gelernt. Ich habe absolut keinen Plan, warum das bei Lars so total schief gegangen ist. Wir haben nur ein bisschen gespielt und sonst die ganze Zeit gepaukt. Ich bin voll fit. Wenn die mich Morgen abfragt, habe ich im schlimmsten Fall eine Drei. Versprochen!” Aber dieses Mal ließ sich seine Mutter nicht mehr beruhigen.

 “Hör auf, mich anzulügen!”, schrie sie. “Damit ist jetzt Schluss! Endgültig! Diesmal bist du zu weit gegangen! Gib mir Elke, sofort!” Alex gab das Telefon der Haushälterin zurück. Diese nickte mehrmals, sagte immer wieder, dass sie verstanden habe und beendete das Gespräch. “Deine Mutter möchte, dass ich den Laptop mitnehme und in ihrem Kleiderschrank einschließe bis sie wieder zurück ist.” Alex sprang vom Stuhl auf. “Was?” “Sofort!”, sagte Elke und lächelte ihn triumphierend an. “Deine Mutter hat gesagt, sie will es so, und ich werde garantiert nicht meinen Job riskieren, nur damit du deine Mutter weiter anlügen kannst.” Die Haushälterin kam jetzt so richtig in Fahrt. “Du kannst mir ruhig wieder drohen. Aber dieses Mal habe ich keine Angst vor dir. Wenn du mich reinreiten willst, werde ich sagen, dass du nur wütend auf mich bist, weil ich dir den Laptop nicht gegeben habe. Ich bin mal gespannt, wem deine Mutter dann glauben wird.” Elke sah ihn herablassend an. “Darf ich bitten?”, sagte sie und zeigte auf den Laptop.

 “Das kannst du nicht machen!”, rief Alex und stellte sich ihr in den Weg. “Und ob ich das kann!” Alex hielt sie am Arm fest. Elke funkelte ihn herausfordernd an. “Entweder du gibst mir SOFORT den Laptop oder ich rufe auf der Stelle deine Mutter an!” Die Haushälterin machte Anstalten, die Nummer der Mutter aufzurufen. Alex ließ sie sofort los. “Elke”, sagte er. “Bitte!” Er warf ihr einen flehenden Blick zu. “Es ist echt wichtig! Gib mir noch zwei Tage…, nur einen Tag, ja?” Die Haushälterin ließ sich nicht erweichen. Zu oft schon hatte er sie ausgelacht und sie wie seine Sklavin behandelt. Das war ihre Chance, ihm all den Spott und die Geringschätzung heimzuzahlen. “Bekomme ich jetzt den Laptop?”

 Als sie gegangen war, saß er auf seinem Bett und dachte fieberhaft darüber nach, was er tun könnte. Er musste dieses Spiel zu Ende bringen und gewinnen. Sollte der andere in der Zwischenzeit weiterspielen, würde Lisa unweigerlich sterben. Natürlich spielte der Computer für ihn weiter, aber gegen einen so raffinierten Gamer wie seinen Gegenspieler hatte der Computer nicht die geringste Chance. Zumal Alex den Eindruck hatte, dass der Computer nicht wirklich daran interessiert war, seinen Gegenspieler zu schlagen. Gewinnen würde also immer der, der gerade online war. Und er war offline. Für die nächsten drei Tage!

 “So ein Scheiß!”, schimpfte Lars am nächsten Morgen auf dem Weg zur Schule. “Sorry, Mann, tut mir echt leid, dass meine Alte so einen Wind gemacht hat.” Lars klopfte Alex auf die Schulter. “In drei Tagen ist das Ding längst gelaufen. Der Typ mit seinen Zombies macht mit deinem NERD jetzt garantiert blitzschnell Schluss.” “Danke für die Info, Alter!” Alex konnte das Geschwätz seines Freundes kaum ertragen. Warum er so wütend war, durfte er Lars auf keinen Fall sagen. Er hätte es nie verstanden. Also ließ er ihn glauben, was er wollte. “Reg’ dich ab!”, meinte Lars, als sie das Klassenzimmer betraten. “Das Spiel ist erste Sahne, in einem Vierteljahr gibt’s das zu kaufen, dann holen wir uns das Ding, ok?”

 Missmutig setzte sich Alex auf seinen Platz neben Lars. Ein Vierteljahr! Das nützte ihm nichts. Lisa konnte in einer Viertelstunde schon tot sein. Gefressen von diesen Zombies. In Stücke gerissen von irgendeinem Monster. Bei lebendigem Leib verbrannt. Schreiend vor Schmerzen und Angst, vollkommen hilflos. Womöglich würde sie in ihrer Not nach ihm schreien. Er sah ihr Gesicht vor sich, als hätte er sie gerade eben persönlich getroffen. Alex stellte sich vor, wie sie sich krümmte vor Schmerzen, getreten und geschlagen von diesen Kreaturen, wie sie strampeln und um sich schlagen würde, wenn man sie an den Haaren zu ihrer Hinrichtung zerrte, wie sie um Gnade flehen würde angesichts der Schlachtermesser, wie sie…

 “Guten Morgen, Herr Doll!”, sagte Herr Lembke, der Biologielehrer. “Willkommen im Goethe-Gymnasium! Oder weilen sie noch in einer fernen Galaxis am anderen Ende des Universums?” Schallendes Gelächter seiner Freunde, zurückhaltendes Gekicher einiger Mädchen, missbilligendes Schweigen all derer, die sich vor ihm fürchteten. Und das waren in seiner Klasse nicht gerade wenige. Alex galt als einer der beliebtesten Schüler des Gymnasiums und hatte allerbeste Beziehungen zu jedem, der an dieser Schule etwas zu sagen hatte. Es bei ihm zu verscherzen, konnte sich kaum einer erlauben. Wenn er aus irgendeinem Grund nicht in der Lage war, selbst einen Kritiker oder Spötter mundtot zu machen, konnte man absolut sicher sein, dass es einer seiner Freunde für ihn erledigen würde. Und die waren zum Teil noch viel unberechenbarer und rachsüchtiger als Alex.

 Aus diesem Grund lachten in solchen Fällen nur seine Freunde. Jeder andere hätte wochenlang dafür büßen müssen, wenn er es gewagt hätte, ihn wegen seiner Schwäche für Fantasy-Computerspiele zu verhöhnen. Ein Junge aus der elften Klasse hatte ihn einmal aus Wut auf dem Schulhof verspottet, indem er ihm unterstellte, mit Gummi-Drachen, Spielzeug-Rittern und Raumschiffen aus Bausteinen zu spielen. Alex und seine Freunde hatten den Jungen daraufhin so lange in der Schule und im Internet gemobbt, bis er wegen Übelkeit und Bauchschmerzen hatte zu Hause bleiben müssen.

 Herr Lembke kannte diese Geschichte, so wie er schon oft die Klagen anderer Lehrer gehört hatte, die sich nicht genug über diesen Schüler beschweren konnten. Aber der 58 Jahre alte Biologielehrer hatte in den 32 Jahren seiner Lehrtätigkeit schon ganz andere Rabauken vor sich sitzen gehabt, und jedem einzelnen hatte er die Giftzähne gezogen. Wenn nötig einzeln und ohne Narkose, wie er sich scherzhaft auszudrücken pflegte, wenn ihn einer der jüngeren Kollegen fragte, wie er angesichts solchen Verhaltens nur ruhig bleiben und seine gute Laune behalten konnte.

 “Also Alex, dann lass uns alle teilhaben an deiner Rückkehr in diese unsere Welt und beglücke uns mit deinem Wissen über die anaerobe Atmung”, sagte Herr Lembke in jovialem Ton und sah Alex mit einem schelmischen Grinsen an. “Du weißt doch, was das ist? Nein? Atmet denn keiner deiner Aliens Schwefel statt Sauerstoff?” In der Klasse war es totenstill geworden. Kein Kichern mehr. Noch nicht einmal ein leises Rascheln war zu hören. Vor dem Fenster hörte man die Stimme des Hausmeisters, der gerade einige Schüler vom Pausenhof jagte. “Jetzt enttäuschst du mich aber! Gibt es in dem Teil des Universums, den du gerade besucht hast, keine Vulkane?” Alex riss die Augen auf. “Vulkane?”

 “Ja!”, sagte Herr Lembke. “Berge mit so einem komischen Loch an der Spitze. Schon mal davon gehört?” Die Stimme des Lehrers klang unverhohlen sarkastisch. Lars boxte Alex unter dem Tisch gegen den Schenkel. “Halt die Klappe, Alter!”, zischte er leise. Aber es war bereits zu spät. Herr Lembke war nicht mehr aufzuhalten. Der Hobby-Vulkanologe, der neben Biologie auch noch Chemie unterrichtete, war ganz in seinem Element. Sofort skizzierte er einen Vulkan an der Tafel und begann, diesen in allen Einzelheiten zu beschreiben. “Oh Mann, da hast du uns ja was eingebrockt!”, stöhnte Lars. Aber Alex interessierte sich nicht für das leise Gemeckere und Gezische um sich herum, er konzentrierte sich voll und ganz auf seinen Lehrer, der gerade voller Eifer und Enthusiasmus über Vulkankrater sprach.

 “Wenn sich in solchen Kratern das Wasser sammelt, kann es vorkommen, dass es sich türkisblau oder smaragdgrün verfärbt. Das kommt daher, dass die ätzenden vulkanischen Gase weiter aus dem Vulkankrater aufsteigen und mit dem Wasser reagieren. So entsteht Schwefelsäure”, dozierte Herr Lembke, ohne sich von seiner Zeichnung abzuwenden. “Solche Seen können bis zu 90 Grad heiß werden. Man kann die Schwefeldämpfe schon riechen, wenn man oben am Kraterrand steht. Ein wirklich einzigartiges Naturschauspiel.” Nach einem letzten energischen Kreidestrich wandte er sich wieder seinen Schülern zu.

 “Aber das ist nichts im Vergleich zu dem, was sich auf dem Jupitermond Io abspielt”, sagte er und setzte sich in lockerer Haltung auf das Lehrerpult. “Dort hat man Hunderte von Vulkankratern entdeckt, manche haben einen Durchmesser von 400 Kilometern und sind mehrere Kilometer tief. Einmalig! Auf diesem Mond gibt es Seen aus geschmolzenem Schwefel, die so groß sind, dass man es sich kaum vorstellen kann.” Herr Lembke war begeistert. “Und nicht nur das. Es gibt unzählige aktive Vulkane auf diesem Mond, die flüssigen Schwefel speien. Eruptionen sind das, dagegen sind die Vulkanausbrüche auf der Erde richtig harmlos. Mit einer Geschwindigkeit von einem Kilometer pro Sekunde schießen sie 1300 Grad heißen Schwefel in die Atmosphäre hoch. Ich kann euch sagen…” Lars beugte sich unter den Tisch und biss in sein Pausenbrot.

 “Die Atmosphäre von Io ist deshalb voller Schwefeldioxid. Das und die vielen Schwefelablagerungen auf der Oberfläche verleihen dem Mond seine schöne gelbe Farbe.” Das Mädchen hinter Alex tippte ihm leicht an die Schulter. Er reagierte nicht. Lars warf ihm einen besorgten Blick zu. Er traute seinen Augen nicht. Sein Freund Alex interessierte sich für das, was Herr Lembke da vorne von sich gab!

 “Der Grund für diese ungewöhnliche vulkanische Aktivität auf Io sind die Gezeitenkräfte. Ihr wisst, was das ist? Natürlich nicht! Aber ihr habt schon mal was von Gravitation gehört, oder? Also die von Jupiter ausgehenden Gezeitenkräfte kneten den Mond so richtig durch. Deswegen…” Herr Lembke verstummte abrupt und hob überrascht die Augenbrauen. “Alex?” Lars war so entsetzt über den erhobenen Arm von Alex, dass ihm ein Bissen Brot im Hals stecken blieb und er hustend und Brotkrümel spuckend nach Atem rang. Um Alex herum hörte man erregtes Tuscheln. “Es geschehen noch Zeichen und Wunder!”, sagte Herr Lembke gut gelaunt. “Was willst du wissen, Alex?”

 “Heißt das, die Masse von Jupiter verursacht Vulkanausbrüche auf Io?”, fragte Alex. “So ist es. Sie ist zwar nicht der einzige Grund für dieses Phänomen, aber…” “Könnte so etwas auch auf der Erde passieren?” “Theoretisch ja, aber dazu müssten die Gravitationskräfte, die auf die Erde wirken, bedeutend stärker sein. Wieso interessiert dich das?” Alex war ganz in Gedanken und ging gar nicht auf die Frage ein. “Was wäre, wenn ein zweiter Mond um die Erde kreisen würde, ein Mond wie Io zum Beispiel. Würde das ausreichen, um die Vulkane auf der Erde ausbrechen zu lassen?” Herr Lembke sah Alex erstaunt an. “Interessante Frage”, sagte er und verschränkte grübelnd die Arme. “Das müsste man mal durchrechnen. Aber ich denke schon, dass es ausreichen würde. Lass mich mal nachdenken, unser Mond hat einen Durchmesser von 3400 Kilometern, Io 3600 Kilometer…” Herr Lembke murmelte leise vor sich hin und kratzte sich an der Nase, so wie er es immer tat, wenn er ein schwieriges Problem zu lösen versuchte. “Dichte 3,56 zu 3,34…” Da ertönte die Schulglocke und beendete die Stunde.

“Alter!” Lars konnte noch immer nicht glauben, was er soeben erlebt hatte. “Bist du krank? Was war das denn?” Alex saß noch immer auf seinem Stuhl und sah an Lars vorbei zum Fenster hinaus. “Erde an Alex!”, rief Lars und fuchtelte ihm mit der Hand vor den Augen herum. Alex stand langsam auf und räumte geistesabwesend seine Bücher und Hefte in den Rucksack. “Langsam bekomme ich Angst”, meinte Lars. “Hat dir jemand eine Gehirnwäsche verpasst?” Alex blickte noch immer schweigend vor sich hin ins Leere. Plötzlich hob er den Kopf, drehte sich zu Lars und nickte. “Das müsste klappen!” “Wovon redest du?” “Ich weiß jetzt, wie ich sie retten kann.” “Wen retten?” “Lisa!”

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